Der Tod des Märchenprinzen – Ein Buch von Svende Merian

3. August 2012 Aus Von Sabiene
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Der Tod des Märchenprinzen – Nerviges von Svende Merian

Diesmal hat Fellmonsterchen von Monstermeute & Zeugs für ihr Projekt ’52 Bücher‘ eine wirklich herausfordernde Aufgabe gestellt:

Dein Hasscharakter (im Sinne von: unnachvollziehbare Handlungen)

Ich habe mich für das Buch Der Tod des Märchenprinzen von Svende Merian aus dem Jahr 1980 entschieden. Dabei geht es mir nicht darum, dass ich dem Buch oder der Erzählerin gegenüber irgendwelche Hassgefühle hege. Aber ich kann und konnte ihre Handlungen einfach nicht nachvollziehen, geschweige denn verstehen.

Der Tod des Märchenprinzen

Kurz zum Inhalt:

„Linke Frau, 24, möchte gerne unmännliche Männer, gerne jünger, kennenlernen …“ mit dieser Kontaktanzeige sucht und findet Svende (das Werk soll autobiografisch sein) ihren vermeindlichen Märchenprinzen Arne.
Sie treffen sich ein paar Mal und haben ein bisschen Sex miteinander. Nun möchte Svende gerne alles, was sie zu den Themen der damaligen Frauenbewegung gelernt hat, mit ihm durchdiskutieren und an ihm exerzieren.
Aber Arne will gar keine feste Beziehung. Er entwickelt sich immer mehr zum ekligen Macho und weist sie ab.
Doch das will sich die Erzählerin gar nicht gefallen lassen. Denn erstens ist sie verliebt und zweitens hat Mann schließlich Verantwortung, wenn er mit Frau Sex gehabt hat.

Sie versucht, ihn und sich in unendlichen Nabelschauereien zu analysieren, spioniert ihm nach und schreckt sogar vor öffentlichen Anklagen in Form von Sprayereien vor seiner Haustür zurück.
Letztendlich muss sie einsehen, dass es einen Märchenprinzessen nicht geben kann (genauso, wie es keine Märchenprinzessinnen gibt). Weder Mann noch Frau können sich ihre Partner nach den eigenen Wünschen backen.

Die wilden Achtziger

Heutzutage wirkt das Buch ein bisschen so, als käme es aus dem Pleistozän der Frauenliteratur. Man muss sich die Zeit, in der es geschrieben wurde, vor Augen führen.

Damals, Ende der 70er – Anfang der 80er war eine Zeit des Umbruchs.
Die Grünen entwickelteten sich aus den Bürgerinitiativen zu einer ernstzunehmenden Partei, man war für Frieden und gegen Atomkraft und liebäugelte mit kommunistischen Splittergruppen.
Ina Deter forderte laut, dass das Land neue Männer brauche und die damalige Frauenbewegung beschäftigte sich damit, den Männern das 5000jährige Patriachat heimzuzahlen.
Man – frau – trug lila Latzhosen, andere Insignien des neuen alternativen Bewusstseins waren Buttons mit der Aufschrift „Atomkraft Nein Danke“ und diese unsäglich kratzenden Pullis aus angeblicher Lamawolle aus dem angeblichen Peru.

Dann wurde dieses Buch auf den frauenbewegten Markt geschmissen und wir alle (ja, ich auch!) lasen es und schimpften und lamentierten über die Ungerechtigkeit der Männerwelt. Natürlich wollten wir auf keinen Fall weiterhin als Sexualobjekte durchgehen.

Der Märchenprinzen-Frust

Letztendlich konnte ich Svendes Frust zwar verstehen (da verliebt man sich mal in einen netten Kerl und dann lässt er einen sitzen), aber ihre Schlussfolgerungen und ihren Kampf um diesen Typen konnte ich nie nachvollziehen.
Ich denke, wenn man eine solche Kontaktanzeige aufgibt, muss man damit rechnen, auf die seltsamsten Typen zu stoßen und eigentlich konnte sie nach meiner Meinung sogar froh sein, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist.
Außerdem heißt es noch lange nicht, dass nur, weil man eine schöne Zeit miteinander verbracht hat, auch gleich für immer aneinandergekettet sein muss.
Schon gar nicht kann man eine Beziehung erzwingen, wenn einer der Partner keine tiefen Gefühle für den anderen entwickeln kann, dann ist das halt mal so. So bitter das auch manchmal ist!
Aber man darf niemals dem Anderen die Schuld geben, wenn man sich selber und freiwillig zum Opfer gemacht hat.

Fazit:

Dass es keinen Märchenprinzen gibt, hat mir meine Mutter mit zehn Jahren bereits eingebleut, dass man einem Mann niemals nachläuft. Mit dreizehn Jahren bekam ich gesagt, das man seinen Stolz als Frau bewahren muss, irgendwann davor oder danach.

Ich hätte diese Angelegenheit als nette Bettgeschichte mit einem, der sich später als Arsch herausstellt, abgehakt. Dann hätte meine lila Latzhose gebügelt und wäre wieder unters Volk gegangen!
Aber Svende erweist sich als zu schwach für eine solche Handlung. Sie versteckt ihre hilflose Enttäuschung hinter einem feministisch verbrämten Machtkampf.

Und so kann man nur verlieren!

Wem könnte dieses Buch gefallen:

  • Nostalgikern, die in den 70ern und 80ern innerhalb der Szene ihre beste Zeit gehabt haben
  • Weibliche Loser
  • Hard-Core-Feministinnen

Für wen wäre dieses Buch eher nicht geeignet:

  • Alle anderen

Bibliografisches:

Der Tod des Märchenprinzen von Svende Merian Buchcover

Bibliografisches zu dem Buch „Der Tod des Märchenprinzen“

  • Titel: Der Tod des Märchenprinzen
  • Autor: Svende Merian
  • Gebundene Ausgabe: 404 Seiten
  • Verlag: Axel Springer AG (9. Januar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3939716782
  • Preis Stand Oktober 2017: ab 0,93 € (Taschenbuch gebraucht), 25,00 € (Gebundene Ausgabe)
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(Alle Angaben ohne Gewähr)

Foto: Der Tod des Märchenprinzen – Ein Buch von Svende Merian © sabienes.de
Text: Der Tod des Märchenprinzen – Ein Buch von Svende Merian © sabienes.de

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Der Tod des Märchenprinzen - Ein Buch von Svende Merian
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