Die Beste Aller Welten – Ein Film von Adrian Goiginger

22. Juli 2019 6 Von Sabiene
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Die Beste Aller Welten – Ein Filmdebüt nach einer wahren Geschichte

Die Welt, in der der siebenjährige Adrian Wachter lebt, ist für ihn die beste aller Welten.
Denn er hat seine Mama Helga und diese liebt ihren Sohn über alles. Sie erzählt ihm abenteuerliche Geschichten, kennt geheimnisvolle Zaubersprüche und spielt mit ihm Fußball.
Und dann gibt es noch ihren Freund Günter und ihre anderen Kumpels, die ihre Wohnung in einem Vorort von Salzburg bevölkern. Und sie alle gehören mehr oder weniger zur Familie.
Nur: Adrians Mama und ihre Freunde sind heroinsüchtig. Helga versucht alles, um ihre Sucht vor dem Kind zu verbergen. Und um das Sorgerecht für Adrian nicht zu verlieren, spielt sie dem Jugendamt und der Schuldirektorin eine heile Welt vor. Aber die gibt es natürlich gar nicht. Als nach einer Drogenparty der Dealer Michael Mazidis „Der Grieche“ in ihrer Wohnung an einer Überdosis stirbt, wird die Polizei eingeschaltet.

Helga muss einen Entzug machen. Für sich selbst. Und für Adrian.

Adrian Goiginger

Der östereichische Regisseur Adrian Goiginger, Jahrgang 1991, beschreibt in diesem Langfilmdebüt seine eigene Kindheit und das Leben mit seiner drogensüchtigen Mutter.
Mit normalem Maßstab betrachtet, mag man seine Kindheit als schwer bezeichnen. Er persönlich sieht das gar nicht so und verriet in einem Interview mit dem ORF:

„Ich habe nie mit Gram auf meine Kindheit zurückgeblickt“

Bei diesem Goiginger scheint es sich um einen ganz ungewöhnlichen, jungen Mann zu handeln. Immer wollte er als Kind Abenteuerer werden, wurde dann Filmemacher – und somit irgendwie beides.

Die Beste Aller Welten – Meine Meinung

Anfang Juli wurde dieser Film in der ARD nach der Tagesschau – so kurz vorm Einschlafen – gesendet. Nach der ersten halben Stunde wollte ich eigentlich ins Bett gehen. Denn diese offensichtliche Verwahrlosung war für mich nur schwer zu ertragen. Wir kennen dieses Drogenelend ja aus den Geschichten über die berühmte Christiane F. („Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“). Oder wir kennen die Happy-Ending-Variante „Vom Junkie zum Ironman“. Und viele von uns haben ähnliche Schicksale aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis beobachten müssen.

Dennoch hatte dieser Film trotz aller Tragik etwas fröhliches, fast schon positives an sich. Denn die Mutter scheint ihren Bub mit einer Art Zauberhaut ausgestattet zu haben. In seinem Leben gab es spannende Geschichten und tolle Abenteuer. Es gab Feuerwerksraketen und halb-heimliche Zigaretten. Dazu hatte er so viel Freiheit, dass es an ein Wunder grenzt, dass er einigermaßen regelmäßig in die Schule gegangen ist. (Tatsächlich hat Goiginger die Schule mit der Matura, also Abitur abgeschlossen)

Irgendwie scheint dieser Zauber auch auf die Darsteller überzugreifen. Besonders gilt das für den zuckersüßen Jeremy Miliker in der Rolle des Adrian. Um ihn nicht zu verängstigen, wurde für ihn ein extra Drehbuch geschrieben. Dadurch bekam er gar nicht genau mit, um was es in dem Film überhaupt geht.
Ein ähnliches Lebens-Drehbuch scheint auch Mama Helga für ihren Sohn Adrian gehabt zu haben.

Happy End

Es ist immer schön, wenn eine tragische Geschichte gut ausgeht und wenn am Ende der Held der Gefahr entrinnt.
Und so ist es auch hier. Denn auch im wahren Leben schaffte die Mutter erfolgreich den Entzug. Sie blieb erfolgreich clean und arbeitete bei einer Hilfsorganisation für Drogensüchtige.
Leider starb sie bereits mit 39 Jahren an Krebs.
Auch ihrem Freund Günter Goiginger gelang es, von den Drogen wegzukommen. Danach heirateten die beiden und bekamen noch zwei gemeinsame Kinder. Und Adrian erhielt den fast unausprechlichen Nachnamen seines Stiefvaters.

Erst im Abspann erfahren wir diese Heldenchroniken samt Bildmaterial. Und spätestens dann ist einem klar, dass man einen unglaublichen guten Film über ganz außergewöhnliche Menschen gesehen hat.

Die Beste Aller Welten und die Auszeichnungen

Die Beste Aller Welten erhielt mehrere Nominierungen und Auszeichnungen in Österreich und Deutschland. Ganz besonders dürften sich die Filmemacher über den Kompass-Perspektive-Preis freuen, den sie bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2017 erhalten haben. Und natürlich über die Auszeichnungen für den besten Spielfilm, beste weibliche Darstellerin (Verena Altenberger), beste männliche Nebenrolle (Lukas Miko), beste Regie und bestes Drehbuch beim Österreichischen Filmpreis 2018.
Auch nett: Verena Altenberger erhielt den Schauspielpreis beim Internationalen Filmfestival in Moskau 2017.

Meine Kurzbewertung:

  • Anspruch: Hoch
  • Humor: Ein bisschen
  • Erotik: Gar nicht
  • Gefühle: Liebe, Kreativität, Tragik, Willenskraft
  • Spannung: Ja
  • FSK: ab 12, aber Jugendliche sollten sich diesen Film mit ihren Eltern ansehen
  • Einschlafquote: Null, trotz später Stunde

Die Beste Aller Welten – Mein Fazit:

Die Beste Aller Welten behandelt ein sehr ernstes Thema. Es geht um das Leid von Drogensüchtigen und Kindern, die in einem solchen Milieu aufwachsen müssen. Was aber diese Geschichte so beachtlich macht, ist der Umgang, den die Mutter mit ihrem kleinen Sohn pflegt. Dazu kommt die hervorragende Regiearbeit von Adrian Goiginger und die besondere Leistung aller Schauspieler.

Zum Schluss noch ein Zitat, das von Günter Goiginger persönlich stammt und einem einen tiefen Einblick in die Psyche gibt:

„Es gibt keine hoffnungslosen Fälle, es gibt nur hoffnungslose Menschen“

Filmografisches

Die Beste Aller Welten - Ein Film aus dem Drogenmilieu von Adrian Goiginger

Filmografisches zu dem Film „Die Beste aller Welten“

  • Titel: Die Beste Aller Welten
  • Produktionsland: Österreich, Deutschland
  • Originalsprache: Deutsch
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Länge: 103 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 12
  • Regie: Adrian Goiginger
  • Drehbuch: Adrian Goiginger
  • Besetzung:
    • Verena Altenberger: Helga Wachter
    • Jeremy Miliker: Adrian Wachter
    • Lukas Miko: Günter Goiginger
    • Michael Pink: Michael „Der Grieche“ Mazidis
    • Michael Fuith: Herr Hütter/Jugendamt
    • Gabriel Marian Skowerski: Ronan
    • Philipp Stix: Walter
    • Sophie Resch: Renate
    • Michael Menzel: Klaus
    • Christina Trefny: Gabi
    • Reinhold G. Moritz: Bernie Windbichler
    • Georg Veitl: Schneider
    • Fritz Egger: Amtsarzt
    • Dagmar Kutzenberger: Schuldirektorin
    • Gerhard Greiner: Polizist
    • Patricia Aulitzky: Polizistin
    • Roman Blumenschein: Alois
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(Alle Angaben ohne Gewähr)

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Alle Fotos: Die Beste Aller Welten – Ein Film von Adrian Goiginger ©sabienes.de
Text: Die Beste Aller Welten – Ein Film von Adrian Goiginger ©sabienes.de

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