Die Selb Trilogie von Bernhard Schlink und Walter Popp

25. Januar 2012 2 Von Sabiene
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Die Selb-Trilogie. Deutsche Detektivarbeit vom Feinsten

Gerhard Selb, ein Mann in den besten Jahren (also gute 60) lebt und arbeitet in Mannheim als privater Ermittler.
Dabei hätte er selber auch einiges zu vertuschen, verfügt er doch als ehemaliger Staatsanwalt über eine nicht unerhebliche Nazi-Vergangenheit.

Immer wieder wird er, der Bonvivant, Liebling der Frauen und eines guten Tropfens mit alten Seilschaften aus dieser Zeit konfrontiert.

Bernhard Schlink

Bernhard Schlink, Jahrgang 1944, wuchs in Heidelberg auf und studierte dort und in Berlin Jura.
Die Selb Trilogie entstand 1987 während eines Aufenthaltes in Aix-en-Provence gemeinsam mit seinem Freund Walter Popp, einem Juristen. Die beiden verbindet die Liebe zu Kriminalromanen.
Wirklichen Ruhm erlangte er aber 1995 mit seinem Roman Der Vorleser. Dieser international sehr erfolgreiche Bestseller wurde 2008 unter der Regie von Stephen Daldry mit Kate Winslet, Ralph Fiennes und David Kross in den Hauptrollen verfilmt.

Bernhard Schlink lebt abwechselnd in New York und Berlin.

Die Selb Trilogie

Wie der Name bereits vermuten lässt, besteht die Selb Trilogie aus drei Bänden:

  • In Selbs Justiz geht es um Werksspionage in einem großen Mannheimer Chemiewerk (welche Großfabrik mit vier Buchstaben fällt uns da ein?). Sie endet mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter in der deutschen Industrie während des Dritten Reichs.
    Das Buch ist spannend bis zum Ende, auch wenn dieses irgendwie schlecht ist.
  • Selbs Betrug behandelt Giftgas aus Nazi- und Amibeständen. Dabei geht es auch um Terroristen, die eigentlich oder vielleicht gar keine sind.
    Es hat interessante Ansätze, verfügt aber über etliche äußerst langatmige Kapitel
  • Der Inhaber einer Privatbank sucht in Selbs Mord die Dienste des Privatdetektiv. Dieser stolpert sofort auf einen Fall von Zwangsenteignung und Betrug während der Naziherrschaft und über Geldwäsche in den neuen Bundesländern.
    Der letzte Band vermittelt dem Leser sowas wie eine Endzeitstimmung. Die Hauptperson ist inzwischen 70 Jahre alt und herzkrank. Als armer Leser steht man ein bisschen hoffnungslos daneben .

Bernhard Schlink  hat die Fähigkeit, einen besonderen, wenn auch nicht weniger kritischen Blick auf die nationalsozialistische Vergangenheit mancher Deutschen zu zeigen. Bezeichnend ist auch die Ambivalenz, mit der er die Rollen, die damals die einzelnen Menschen ausgefüllt haben, bekleidet.
Mit der Figur des Gerhard Selb zeichnen die Autoren einen Menschen, der wohl in den 40ern ziemlich auf Linie gewesen sein mag. Letztendlich hat er aber sein Gewissen und das Denken an und für sich nicht verloren. Dennoch ist er wechselhaft in seiner Haltung zu seiner persönlichen Vergangenheit. In der Jetztzeit erscheint er aber als toleranter, lustbetonter Mensch mit einem Hang zur Philantropie.

Fazit:

Ich habe die Selb Trilogie gelesen und später als Hörbuch gehört. Gerade die Audio-Version empfand ich als wahren Genuss. Der Sprecher Hans Korte liest prägnant und mit viel Gefühl und Verständnis für diesen seltsamen alten Mann.

Vor einem Fehler muss ich euch warnen: Hört oder lest niemals alle drei Hörbücher oder Bücher hintereinander! Man wird ein bisschen verrückt dabei.

Wem könnte diese Trilogie gefallen?

  • Liebhaber von höchst intelligenten und ambitionierten Krimis
  • Leser, die sich für die Seilschaften interessieren, die während des Dritten Reichs entstanden sind und in die heutig Zeit am wirken sind.

Für wen wären diese Bücher eher nicht geeignet?

  • Leser, die actiongeladene Krimis US-amerikanischer Machart bevorzugen
  • Leser, die einen gesellschaftspolitischen Bezug in Belletristik ablehnen

Bibliografisches

selb trilogie bernhard schlink buchcover

Bibliografisches zu „Die Selb Trilogie“

  • Titel: Die Selb Trilogie
  • Autor: Bernhard Schlink und Walter Popp
  • Taschenbuch: 976 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 3 (26. Oktober 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257237006
  • Preis Stand November 2017: 29,00 € (Taschenbücher im Schuber), ab 29,15 € (Audio-CD, gelesen von Hans Korte)
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(Alle Angaben ohne Gewähr)

Alle Fotos: Die Selb Trilogie von Bernhard Schlink und Walter Popp ©sabienes.de
Text: Die Selb Trilogie von Bernhard Schlink und Walter Popp ©sabienes.de

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