Der Distelfink von Donna Tartt – Die Rezension eines Kunstwerks

3. Juni 2015 Aus Von Sabiene
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der distelfink

Wahre Kunst: Der Distelfink von Donna Tartt

Bei einem verheerenden Bombenattentat kommt die Mutter des sensiblen dreizehnjährigen Theo Decker ums Leben. Während der leicht verletzte Junge versucht, sich aus den Trümmern zu befreien, nimmt er unbemerkt ein kleines Bild an sich. Es handelt sich um ein hochdotiertes Meisterwerk des niederländischen Malers Carel Fabritius aus dem 17. Jahrhundert: Der Distelfink. Theo kommt für ein paar Wochen bei der Familie seines Schulfreundes Andy Barbour unter, aber in der distanzierten Atmosphäre dieser Familie findet der traumatisierte Junge wenig Trost.
Erst als er den Restaurator und Antiquitätenhändler James Hobart kennenlernt, scheint er ein wenig Halt zu gewinnen. Dort trifft er auch die gleichaltrige Pippa, ebenfalls eine Überlebende des Anschlags.
Aber dann holt ihn sein Vater Larry, ein Zocker und Alkoholiker zu sich nach Las Vegas.

In Las Vegas fühlt sich Theo einsam, bis er Boris kennenlernt, ein junger Russe, der mit allen Wassern gewaschen zu sein scheint. Zusammen vertreiben sie sich die Zeit mit Kleindiebstählen, Drogenexperimenten und sonstigem Blödsinn. Als auch Theos Vater ums Leben kommt, fährt der Junge zurück nach New York und beginnt bei Hobart „Hobby“ eine Ausbildung als Restaurator.

Viele Jahre später hat Theo viel Erfolg als Antiquitätenhändler, wenn auch oft mit unseriösen Geschäften. Der Distelfink ist immer noch in seinem Besitz, obwohl FBI und Interpol mit Hochdruck nach diesem Gemälde suchen. Kurz vor seiner Verlobung mit Kitsey Barbour tritt unerwartet Boris wieder in sein Leben.
Dieser erzählt ihm eine unglaubliche Geschichte und verwickelt ihn in einen gefährlichen Plan …

Donna Tartt

Die hochintelligente, begabte und zugleich zurückhaltende Autorin Donna Tartt wurde 1963 in Greenwood, Mississippi geboren. Ihren ersten internationalen Erfolg erhielt sie mit dem Roman „Die geheime Geschichte“.  Für „Der Distelfink“ bekam sie 2014 den Pulitzerpreis.

Der Distelfink – Meine Meinung

Der Einband mit dem putzigen Vögelchen sollte mit einer Warnung versehen werden. Denn dieses Buch ist nichts für schwache Nerven.
Der in der Ich-Perspektive gehaltene Roman beginnt in einem Amsterdamer Hotel und scheint dem Leser eine solide, aber harmlose Spannung zu verprechen. Bis der Protagonist in einer Rückblende seine tragische und zugleich verworrene Lebensgeschichte erzählt. Die Passagen, in denen Theo durch das zerstörte Museum stolpert, sind dramatisch. Die Trauer um seine Mutter nimmt einen sehr mit, seine Introvertiertheit scheint unbegreiflich. Man erlebt mit Theo die wohltuende Routine in Hobbards Werkstatt und dann wieder die Selbstzerstörung seiner Drogenexzesse und fühlt sich über Seiten hinweg wie in einer Anleitung zum Borderline-Syndrom. Dennoch ist keine Wendung vorhersehbar, auch wenn der geeignete Leser von Anfang an meint zu wissen, wie das alles enden wird.

Nebenher erhellt einen die Autorin mit Gedanken über die Wirkung von wahrer Kunst ebenso, wie mit dem Schreinerhandwerk. Die Einsichten in den Kunsthandel und den internationalen Kunstraub, sowie den Drogenhandel sind genauso lehrreich, wie die Beschreibungen von Instandsetzungsarbeiten von Antiquitäten.
So ein kleines Chippendale Sofa könnte ich nach dieser Lektüre nun auch ein bisschen restaurieren. (Auch wenn es danach nicht mehr schön aussehen wird)

Fazit:

Angeblich hat die Autorin 10 Jahre an diesem Buch gearbeitet. Hätte sie nur 8 Jahre daran geschrieben, wären uns einige Längen erspart geblieben. Das Buch steckt zwar voller philosophischer Gedanken, ist aber streckenweise recht anstrengend.

Gerade die Betrachtungen über Gut und Böse sind mir zu weit hergeholt und zu selbstgerecht. Ein Diebstahl ist ein Diebstahl; ein Betrug ist ein Betrug. Daran gibt es nichts zu rütteln.

Dennoch werde ich euch dieses Buch wärmstens ans Herz legen. Denn es handelt sich hier um ein Kunstwerk um ein Kunstwerk.
Und es ist auf jeden Fall empfehlenswert, auch wenn man für die Lektüre eine sehr stabile Psyche benötigt. Außerdem werdet ihr zum Lesen sehr viel Zeit brauchen, denn das Buch ist sehr, sehr, sehr lang!

Ein Lob gebührt dem Hörbuchsprecher Matthias Koeberlin, dem es gelang, die Theos Lethargie und Melancholie stimmlich wiederzugeben.

Bibliografisches

Der Distelfink

Bibliografie des Buches „Der Distelfink“

  • Titel: Der Distelfink
  • Autor: Donna Tartt, Rainer Schmidt (Übersetzer), Kristian Lutze (Übersetzer)
  • Originaltitel: The Goldfinch
  • Gebundene Ausgabe: 1024 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (10. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442312396
  • Preis (Stand August 2017): 24,99 € (gebundene Ausgabe), 9,99 € (Kindle), 12,99 € (Taschenbuch ab Oktober 2015),
    11,95 € (MP3 CD)
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(Alle Angaben ohne Gewähr)

Mit dieser Rezension beteilige ich mich an Daggis Buchchallenge, Aufgabe 8: Lese ein Buch mit einem Tier oder einer Pflanze auf dem Cover.

Foto: Der Distelfink von Donna Tartt – Die Rezension eines Kunstwerks ©sabienes.de
Text: Der Distelfink von Donna Tartt – Die Rezension eines Kunstwerks ©sabienes.de

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Der Distelfink von Donna Tartt
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