Freizeitfußball – Bolzen, Kicken, Kickern und Brücken bauen

10. April 2012 12 Von Sabiene

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Freizeitfußball – so gut und wichtig, wie nie zuvor

Fußball ist nicht Kommerz und Einschaltquote. Fußball hat in erster Linie einen hohen Freizeitwert und kann Brücken bauen. Zumindest sollte Fußball dies tun!
Um diese Behauptung zu untermauern muss ich ganz tief in meiner Erinnerungskiste kramen.

Freizeitfußball auf Kreta

Ende der 70er begab ich mich mit ein paar Freunden nach Kreta, wo wir uns in einem kleinen Dorf an der Küste urlaubstechnisch einrichteten.
Die Dorfbevölkerung bedachte uns mit einer Art freundlicher Ignoranz, was wir uns mit Sprachproblemen erklärten. Außerdem waren damals deutsche Urlauber im Ausland nicht immer gerne gesehen. Es haftete an uns noch der denkbar schlechte Ruf des ewigen Teutonen und/oder Nazi.
Auf unseren täglichen Wanderungen zwischen Cafenion, Strand und Taverne kamen wir immer an einem Bolzplatz Acker vorbei, auf dem in der Abenddämmerung Kinder und Jugendliche Fußball spielten.
Irgendwie schaffte es der männliche Teil unserer kleinen Reisegruppe, von den jungen Griechen zum Mitspielen aufgefordert zu werden.
Wir Mädels waren natürlich wenig begeistert, dass nun allabendlich eine Runde gekickt wurde, während wir am Rand saßen, zuschauten und über Mittel gegen Sonnenbrand debattierten.

Diese Deutschen mit ihren orangenen Rucksäcken und dem ewigen Sonnenbrand

Nach ein paar Tagen wurden wir von dem Wirt einer nahegelegenen Taverne, die uns immer viel zu einheimisch schien, als das wir den Mut gehabt hätten, sie zu besuchen, angesprochen und mit viel Palaver und Gestik in seine Schankstube gebeten. Drinnen saßen finster dreinblickende Griechen, die uns nur mit einem kurzen Blick bedachten und sich dann wieder ihren Gesprächen widmeten.
Wir tranken mit dem Wirt Demestika, Ouzo, Metaxa, nach ein paar Gläsern erfuhren wir, dass er ein bisschen Deutsch sprach, nach ein paar weiteren Gläsern kamen die anderen Gäste an unseren Tisch und bald konnten wir auch ein bisschen Griechisch reden und letztendlich unterhielten wir uns in einem europäischen Sprachgewirr, bei dem auch noch mehrere tote oder halbtote Sprachen darunter gewesen sein mögen.

Und so erfuhren wir, dass unser Fußballspiel im ganzen Dorf die Runde machte und sich alle Bewohner fragten, was das bloß für Leute waren – diese Deutschen mit ihren orangenen Rucksäcken und dem ewigen Sonnenbrand.

Wir erfuhren weiterhin, dass der Wirt und noch einige andere Männer aus dem Dorf im 2. Weltkrieg als Partisanen gegen Nazideutschland gekämpft haben.
Dann tranken wir auf das Ende des Krieges und das es gut so ist, dass jetzt alles vorbei ist. Wir tranken darauf, dass wir nette Deutsche sind und keine Nazis und lernten zur Bekräftigung des Ganzen ein paar Partisanenlieder, die wir gemeinsam lauthals schmetterten.
Fortan waren wir gute Freunde.

Freizeitfußball – Bolzen, Kicken, Kickern und Brücken bauen

Warum ich das erzähle?
Damals haben wir mit Hilfe von Freizeitfußball Brücken gebaut.
Durch ein harmloses Herumkicken einem Dorfanger haben wir einen Zugang zu Menschen erhalten, der uns sonst verschlossen gewesen wäre.

Man kann Fußball lieben oder hassen, aber manchmal steckt in jedem Spiel eine Möglichkeit der Völkerverständigung – und sei es auch nur im Kleinen.

Foto: Freizeitfußball – Bolzen, Kicken, Kickern und Brücken bauen ©Sabienes.de
Text: Freizeitfußball – Bolzen, Kicken, Kickern und Brücken bauen ©Sabienes.de

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Zusammenfassung:
Freizeitfußball - Bolzen, Kicken, Kickern und Brücken bauen
Titel
Freizeitfußball - Bolzen, Kicken, Kickern und Brücken bauen
Beschreibung
Bolzen, Kicken, Kickern - beim Fußballspielen in der Freizeit finden sich oft die besten Sportler, auch auf Kreta, denn Freizeitfußball tut gut
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