Fremdenfeindlichkeit in Bayern – Wo samma denn dahoam?

10. April 2015 14 Von Sabiene

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Fremdenfeindlichkeit in Bayern

Wohin gehst du, Bayern?

Es war für mich der Schock beim Lesen der morgendlichen Zeitung: Laut einer Studie steht Bayern in Sachen Fremdenfeindlichkeit und Ausländerfeindlichkeit unter den westdeutschen Bundesländern auf Platz Nr. 1 und liegt somit gesamtdeutsch betrachtet in bester ideologischer Nachbarschaft zu Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.
Mein Bayern! Ja, wo samma denn dahoam?!
Natürlich ist jede Studie von der Methodik her angreifbar; natürlich könnte man nun mit dem bayerischen Innenminister Hermann in ein Horn stoßen und sich damit trösten, dass da wohl auch die legendäre Heimatverbundenheit des Bayern als Indikator für Fremdenfeindlichkeit herangezogen worden wäre. Vielleicht war diese Studie auch von vornherein zieloptimiert angelegt gewesen, denn schließlich kam sie ja aus Leipzig. Wer weiß.
Nichtsdestotrotz bleibt hier nach den Abzügen aller Widrigkeiten das Körnchen Wahrheit bestehen, sozusagen das „Cum grano salis“.

Fremdenfeindlichkeit in Bayern

Prinzipiell ist es dem Bayern egal, ob der „Preiß“ nun aus Kobane oder Lüdenscheid stammt, weil ja „a Preiß immer a Preiß“ bleibt. Andererseits wird laut Bayerischer Verfassung, Artikel 6, Absatz 1 die Bayerische Staatsangehörigkeit erworben durch:

1. durch Geburt;
2. durch Legitimation;
3. durch Eheschließung;
4. durch Einbürgerung.
(Quelle: Bayerische Verfassung)

Aber ob man dann den gebürtigen, legitimierten, verheirateten oder eingebürgerten Fremden hier auch haben will, ist eine andere Sache. Denn laut oben genannter Studie stimmten 33,1 % aller Befragten folgender Aussage zu: „Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen.“ Im Vergleich: Im restlichen Westdeutschland lässt sich nur jeder Fünfte zu einer solchen Polemik hinreißen, die ostdeutschen Regionen, die „Stammländern des Rechtspopulismus“ kommen auf vergleichsweise klägliche 30,5 %.
Besonders Sinti und Roma, sowie Juden und Muslime mag der Bayer gar nicht – da bleibt dann letztendlich auch nicht mehr viel an Feindbildern übrig.

Illusionen in Bayern

Man darf nicht alle Bayern über einen Kamm scheren. Dennoch habe ich die Illusion, dass Bayern eine Gegend mit bodenständigen Leuten ist, die einander helfen und für die menschliche (oder von mir aus auch christliche) Werte noch viel zählen. Und deshalb bin ich hier daheim.
Andererseits ist Bayern auch wohlhabend und verfügt einen gewichtigen Mittelstand – den bereits Oscar Maria Graf als den „verbrunzten Mittelstand“ titulierte.
Und gerade in dieser Schicht scheint allen Illusionen zum Trotz eine gewisse Borniertheit zu grassieren, gepaart vielleicht auch mit einer stoischen Raffgier beim Gedanken an internationales Elend aller Art – quasi der „innere Glatzkopf“ einer wohlsituierten Gesellschaftsschicht im Häuschen im Grünen.
Natürlich wird eine solche Haltung mit Parolen, wie „Wer betrügt, der fliegt“, die direkt aus dem noch unveröffentlichten Zitatenschatz eines Franz Josef Strauss zu kommen scheinen, angeheizt. Dabei sollten wir in Bayern nicht unbedingt einen CSU-Seehofer zum Nachdenken benötigen, oder?

Tatsache ist aber, dass man für Fremdenfeindlichkeit weder Bayern, noch Deutsche braucht. Dafür braucht es manchmal nicht einmal Fremde.

(Quellen: Süddeutsche Zeitung, TAZ)

Foto: Fremdenfeindlichkeit in Bayern – Wo samma denn dahoam? ©sabienes.de
Text: Fremdenfeindlichkeit in Bayern – Wo samma denn dahoam? ©sabienes.de

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Zusammenfassung:
Fremdenfeindlichkeit in Bayern - Wo samma denn dahoam?
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Fremdenfeindlichkeit in Bayern - Wo samma denn dahoam?
Beschreibung
Laut einer Studie steht bei Ausländerfeindlichkeit und Fremdenfeindlichkeit Bayern an der Spitze der westdeutschen Bundesländer
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