Gesundheit in Istanbul

3. September 2009 1 Von Sabiene

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Gesundheit in Istanbul

Ansicht von Istanbul

Gestern rief mich eine gute Bekannte an. Sie ist Türkin und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt, ihre Schwester lebt in der Nähe von Istanbul.

Vor 4 Wochen hat die Schwester Zwillinge zur Welt gebracht. Sie war erst in der 26. Schwangerschaftswoche, die Kinder wogen bei der Geburt gut 1000 gr.

(Für alle Nicht-Eltern: eine Schwangerschaft dauert ca. 40 Wochen, das normale Geburtsgewicht beträgt um die 3000 gr.)

Die Fahrt zum Krankenhaus muss die reinste Odyssee gewesen sein. Die Schwester lag mit Wehen im Krankenwagen, welcher verzweifelt durch Istanbul cruiste, auf der Suche nach einer Klinik, die Mutter samt Kindern aufnehmen würde. Alle Krankenhäuser verweigerten die Aufnahme, weil sie brutkastentechnisch nicht genügend ausgerüstet seien.

Die einzige Ausnahme war das amerikanische Krankenhaus, eine sehr moderne und gut bestückte Privatklinik. Eigentlich waren dort Mutter samt Kinder in besten Händen – wenn das liebe Geld nicht gewesen wäre. Die Krankenversicherung übernimmt die Kosten für die Privatklinik nicht (auch wenn es die einzige Möglichkeit ist, die Frühchen durchzubringen), der Vater verdient dementsprechend wenig. Bezahlt wird sofort und in bar.

Damit das Ganze nicht zu teuer wird, beschlossen die Eltern, die Kinder sobald als möglich in ein städtisches Krankenhaus in Istanbul umzuquartieren. Dort wurden sie so schlecht versorgt, dass die Kleinen die mühsam aufgepäppelten 200 gr, die sie seit der Geburt zugenommen hatten, wieder verloren. Bei einem Baby wurde beim Spritzen die Vene nicht gefunden, so dass es nun eine Nekrose am Händchen hat. Das Herzkammerflimmern des anderen Babies wurde nicht beobachtet. Nach einer Woche beschlossen die Eltern, die Kinder wieder in das amerikanische Krankenhaus zu bringen. Inzwischen hatte ein Baby eine schlimme Infektion, bei dem anderen mussten die Augen gelasert werden.

Wenigstens nehmen die Kinder wieder zu.

Das Geld der Familie nimmt ab.

Diese wichtigen Behandlungen kosten tausende von Euro, die diese junge Familie gar nicht haben kann. Bei uns wäre das alles selbstverständlich, in der Türkei gibt nur ganz wenig Unterstützung; erstaunlicher Weise ist dabei mehr von christlicher, als von muslimischer Seite zu erwarten. Andere Organisationen, wie „Ein Herz für Kinder“ sind gerade dabei, den Fall zu prüfen.

Meine Bekannte hat ihren Goldschmuck verkauft, um zu helfen.

Ich werde auch helfen.

Wenn jemand dies hier liest und auch etwas geben möchte und kann, kann er sich bei mir melden. Ich leite dann den Kontakt weiter.

Foto: Istanbul, die Perle am Bosporus mit Blick auf den Galata-Turm ©Sabienes.de
Text: Gesundheit in Istanbul ©Sabienes.de

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