Die Grönland-Lösung – Oder: wenn die Füße Blasen schlagen

2. April 2017 20 Von Sabiene

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Die Grönland-Lösung für den Fall, dass die Füße Blasen schlagen

Ich habe das ja schon oft erwähnt: Ich bin keine Frau mit einem Imelda-Marcos-Syndrom. Mit anderen Worten: ich benötige keine 3000 Paar Schuhe um sich herum.
Für meine Schuh-Weiblichkeit genügen mir im Prinzip ein Paar Flipflops im Sommer und ein Paar Stiefeletten für die übrigen Jahreszeiten. Natürlich besitze ich auch noch andere Schuhe.
Aber ich habe ein großes Problem: Ich bekomme immer und überall ganz schnell Blasen an den Füßen!
Dabei ist es fast egal, ob die Schuhe neu oder alt, bequem und „vernünftig“ oder das Gegenteil sind. Ich bin anscheinend im wahrsten Sinne des Wortes dünnhäutig.
Ein wahres Schlüsselerlebnis zum Thema: Schuhe Füße Blasen hatte ich 1986 ausgerechnet in Grönland. 

Trekkingtour in Grönland und ordentliches Schuhwerk für den Bergfex

Als ich noch in Rosenheim gewohnt habe, bin ich natürlich sehr oft in den Bergen beim Wandern gewesen. Wäre ja auch blöd, wenn man in einer solchen herrlichen Gegend wohnen würde und dies nicht täte.
Damals trug der wahre Bergfex schwere, doppelgenähte Bergschuhe aus bretthartem Leder, die man zur Not auch als Bremskeil für Sattelschlepper hätte verwenden können. Und weil die Italiener ja was von Leder und Schuhen verstehen, fuhr man ins benachbarte Südtirol und erstand dann auf dem großen Markt in Meran ein solches Exemplar.
Dieses weihte man dann auch gleich mal in der Ortlergruppe oder in den Bergen des Vintschgaus mit schmerzverzerrtem Gesicht ein. Aber die neuerstandenen Blasen an den Füßen trug man – wie den Muskelkater – mit hocherhobenen Kopf, ähnlich einer Goldmedaille. Aber mit der Zeit waren dann die Quälgeister irgendwann „eingelaufen“ und machten weniger Probleme.

Mitte der 80er erfüllte ich mir den großen Wunsch und meldete mich für eine zehntägige Trekkingtour durch Süd-Grönland an.
Die Reise war zwar teuer, aber das Kernstück meiner Ausrüstung besaß ich ja bereits – nämlich die schweren Bergschuhe aus Meran.

Wenn die Füße Blasen schlagen – die Grönland-Lösung

Es gibt ja verschiedene Lösungen gegen Blasen an den Füßen. Man kann einfach ein Pflaster auf diejenige Stelle kleben, die Schuhe mit Silikonpolster an den entsprechenden Stellen ausrüsten oder die Schuhe wechseln.
Das ich mit meinen mittlerweile sehr gut eingelaufenen Bergschuhen Probleme bekommen könnte, hätte ich nie für möglich gehalten. Aber es ist schon ein Unterschied, ob man einmal in der Woche ein paar Stunden wandert oder täglich den ganzen Tag in den vermaledeiten Schuhen steckt.
Nach dem dritten Tag konnte ich nicht mehr, mein gutes Hansaplast war aufgebraucht. Aber unser Wanderführer rettete mich und brauchte die Grönland-Lösung zum Zug.
Mit Leukoplast.

Leukoplast schlägt Hansaplast

Der Nachteil von Hansaplast oder allen anderen Wundpflastern ist nämlich dieses kleine Stück Gaze, dass dann die Haut bei extremer Belastung nur noch mehr reizt.
Deswegen klebte uns unser Führer (ich war ja nicht die einzige, die sich Blasen gelaufen hatte) Leukoplast auf die aufgeriebenen Stellen. Das Pflaster wurde am Abend aber nicht entfernt, sondern wieder und wieder überklebt und erweitert. Wenn unter dieser Leukoplastschicht dennoch Blasen auftraten, wurden sie von außen mit einer Nadel aufgepiekst.
Nach den ganzen zehn Tagen waren unsere Füße mit einer dicken Schicht von Leukoplast überzogen, die man gar nicht mehr entfernen konnte.
Als mich dann mein Mann (der damals noch gar nicht mein Mann gewesen ist, sondern mein neuer Freund) wiedergesehen hat, gingen ihm beim Anblick meiner Füße die Augen über.

Meine Bergfex-Bergstiefel hatten während der Tour Schimmel angesetzt und landeten im hohen Bogen auf dem Müll.
Samt selbstgestrickter Wollsocken.

Und wie war es in Grönland sonst so?

Meine Trekkingtour durch Grönland und wie man lernt, mit Blasen an den Füßen zu leben

Wir landeten damals von Kopenhagen aus in einem kleinen Örtchen namens Narsasuaq, wo es außer einer Betonpiste nichts gibt. Von dort aus wanderten wir über die Tundra nach Igaliku und soffen sämtliche Bierbestände des örtlichen Kiosk leer. So viel frische Luft nahe des Polarkreis macht nämlich ausgesprochen durstig.
Am Abend aß ich Walfischfleisch und tanzte mit einem alten Inuit.
Dann ging es wieder über die Tundra nach Julianehab, wo wir uns über Duschen und Betten freuen konnten.
Den Südwesten von Grönland nennt man auch „Banana Coast“, weil dort  manchmal Schafe den Winter überleben.

Grönland war ein wahres Abenteuer und unglaublich anstrengend – nicht nur wegen der vielen Blasen. 
Jeder von uns schleppte ungefähr 25 Kilo Gepäck mit sich herum, denn wir hatten zusätzlich zu dem normalen Zeug auch noch Zelt und Proviant mit dabei. In der subarktischen Tundra findet man seltener Wanderwege vom Typ „Deutscher Alpenverein“. Es war steil, unwegsam, manchmal ein bisschen beschissen und doch war das Naturerlebnis und unsere Gemeinschaft unvergleichlich.

Hier ein paar Ansichten aus Grönland. Ich habe keine Fotos von meinen Füßen, Schuhen oder Blasen, die ich euch zeigen möchte.Dafür ist leider die Qualität der Bilder schlecht. (Das ewige Problem mit der Digitalisierung von Dias)


Jetzt würde ich gerne von euch wissen, wie ihr eure Blasen an den Füßen behandelt. Oder kennt ihr solche Probleme gar nicht?
Außerdem würde es mich interessieren, ob ihr jemals dieses raue Grönland besucht habt.
Erzählt es mir!


Alle Fotos: Die Grönland-Lösung – Oder: wenn die Füße Blasen schlagen ©sabienes.de
Text: Die Grönland-Lösung – Oder: wenn die Füße Blasen schlagen ©sabienes.de

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Zusammenfassung:
Die Grönland-Lösung - Oder: wenn die Füße Blasen schlagen
Titel
Die Grönland-Lösung - Oder: wenn die Füße Blasen schlagen
Beschreibung
Auf meiner Trekkingtour in Grönland und fürchterliche Blasen an den Füßen und wie dabei die Grönland-Lösung aussieht, erzähle ich euch hier
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