Groschenliebe – Herz und Schmerz in der Liebes-Literatur

17. Oktober 2009 0 Von Sabiene

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Groschenliebe

Groschenliebe: Literatur mit ganz viel Herz

Früher gab es Erikaromane, Arztromane, Heimatromane und mehr. Die Verlage nannten diese Erzählreihen nach den jeweiligen Modenamen für Frauen: Gabi, Bella oder halt Erika. Und was sie verkörperten: billige Groschenliebe!
Diese Heftchen gibt es noch, aber sie sind nicht mehr so präsent, wie früher. Groschenromane kosten mittlerweile etliche Euro und verbergen sich unter einem Hardcover-Einband.

Groschenliebe

Die Handlung war immer ähnlich: Patentes Mädel, hübsch aber arm, trifft auf irgendeinen reichen Schnösel, der sie nach allerlei Irrungen und Wirrungen vor den Traualtar führt.
Manchmal ging es auch umgekehrt: Prächtiger junger Hengst, arm, aber ein verwunschener Prinz trifft auf eine snobistische Zicke, die er nach allerhand Irrungen und Wirrungen vor den Traualtar führt.
Meist mussten die Protagonisten ein wenig mit sich und den typisch widrigen Umständen kämpfen, von ihrem hohen Ross hinunterkommen oder sich mit einer missgünstigen Schwiegermutter auseinandersetzen, bis ihnen das ewige Glück an der Seite des Traumpartners gelang.
Der Schreibstil trug nicht schwer an Wortschatz und Eloquenz. Auch die buchbinderischen Aufgaben erschöpften sich meist in 2 Heftklammern in der Mitte.
Nach dem Genuss der Lektüre konnte man damit auch noch prima den Ofen einheizen und irgendwie war hier auch ihr angestammter Platz.
(Ja, ich gebe es zu, ich habe solche Heftchen auch einmal gelesen)

Und heute?

Heute hat sich nichts geändert.

Die Försterchristel ist nun die Halbvampirin Emmaline, der schneidige Herr Doktor ein Mitglied vom Klan der Lykae, der eigentlich Hexen hasst, aber dann doch von einer ins Bett gezerrt wird, denn vor dem Traualtar endet natürlich nicht mehr viel. Meist müssen die Verliebten (gegen ihren Willen) ein besonderes Kapitel aus dem Kamasutra exerzieren, um vor den archaischen Artgenossen des einen oder anderen als Mann und Weib zu gelten. Generell schlagen sich heutzutage ganze Handlungsstränge mit einem geballten Mystik-Erotik-Mix herum, wo früher Fritz und Gisela mal nett über die Weinberge spaziert sind.
Man verliebt sich besonders gern in Werwölfe und Vampire, ohne zu bedenken, was die Eltern wohl dazu sagen werden, wenn ihnen der neue Freund / neue Freundin vorgestellt wird! (Denn die haben weiland schon über den Oberförster, den Frauenarzt oder das patente Mädel gemeckert)

Liebesromane in der heutigen Zeit

Das Spektrum reicht von der kompletten „Twilight“-Serie (Edward: „Ich bin so unwürdig“; Bella: „Nein, bist du nicht!“; E.: „Doch!“; B.: „Nein!“ usw. usw.) , von denen ich das erste Buch regelrecht verschlingen musste. Es geht weiter über die Dragon-Love Bücher, die wirklich erfrischend witzig sind. Und endet meines Erachtens bei Leopardenblut, das ich ganz schrecklich fand. Ihr Coming Out verdankt dieses Genre aber auch der Erfindung der eBooks. Denn für einen eReader lassen sich solche Werke schnell und billig produzieren.
Die Titel lauten manchmal: Nacht des Begehrens oder Kampf der Herzen.
Auch hier hat sich nicht viel geändert.

Leider ist der Heizwert relativ mäßig, gemessen am Preis der nun in Hardcover mit Vierfarbeinband versehenen ehemaligen Groschenheftchen.

Foto: Groschenliebe – Herz und Schmerz in der Liebes-Literatur ©Sabienes.de
Text: Groschenliebe – Herz und Schmerz in der Liebes-Literatur ©Sabienes.de

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Zusammenfassung:
Groschenliebe - Herz und Schmerz in der Liebes-Literatur
Titel
Groschenliebe - Herz und Schmerz in der Liebes-Literatur
Beschreibung
Groschenliebe - bei den billigen Liebesromanen hat sich nicht viel geändert, aus der Försterchristel ist ein Vampir geworden
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