Kickboxen mit Lu – Ein Roman von Roman Marchel [Rezension]

19. November 2011 0 Von Sabiene
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Kickboxen mit Lu Buchcover

Kickboxen mit Lu – Ein Roman von Roman Marchel

Mit der Begründung, ein Trainingslager für Kickboxen zu besuchen, nimmt sich die 16jährige Lu eine Auszeit und strandet in der Pension „Zur schönen Gegenwart“ in einer Kleinstadt im Nirgendwo.
Dort lernt sie die alternde Schriftstellerin Tulpe Valentin kennen.
Die beiden Frauen treffen sich jeden Morgen im Pfauengarten der Pension, Lu erzählt von ihren Gedanken, von ihrem Leben, denn Tulpe Valentin möchte aus diesem Material ihr allerletztes Buch schreiben.

Roman Marchel

Der Grazer Schriftsteller Roman Marchel, Jahrgang 1974 studierte Literaturwisscnschaft in Wien und Paris. Der vorliegende Roman ist sein erstes Buch.
Roman Marchel lebt heute in Wien.

Kickboxen mit Lu – Meine Meinung

Der Autor hat mit „Kickboxen mit Lu“ einen recht mutigen Debutroman verfasst. Mutig, weil die Hantierung mit dem Monolog von Lu ein gewagtes Unternehmen ist und dem Lesepublikum einiges abverlangt.
Dafür gibt er die Jugendsprache des Mädchens, das er ohne Punkt und Komma, geschweige denn in Anführungszeichen reden lässt, in seiner liebenswerten Frische und Energie wieder. Eine Frische und Energie, wie sie nur jungen Menschen eigen sein kann. Ebenso wie das Staunen, die Kompromisslosigkeit und das Moralitätsempfinden zu diesem Alter gehört.
Dabei lässt er seine junge Protagonistin keinesfalls unvorsichtig erscheinen:

… Über manche Dinge rede ich nicht, keine Chance, Sex, Gott, Träume. Wenn du auf so was aus bist, sags gleich, dann sparen wir uns das …“

Und während Marchel es aus Lu nur so hinaussprudeln lässt, steht die Geschichte der alten Frau Tulpe Valentin anfänglich im Hintergrund. Erst nach der Hälfte des Buches lässt er auch sie erzählen. Und sie berichtet in wohl formulierten und vollständigen Sätzen, gewürzt mit sehr viel Bitterkeit. Ihre Sprache steht da ganz im Gegensatz zu dem Sprachstil des Mädchens.

Wir haben hier 2 Frauen, eine am Anfang ihres Lebens, die andere deutlich am Ende.
So unterschiedlich sie durch ihr Alter auch sind, so haben sie einige Gemeinsamkeiten, wie das Sehnen nach Glück und die Trauer um erlebte Verluste. In ihrem Enthusiasmus über die Unbändigkeit des Lebens hält Lu ihrer Zuhörerin (und auch dem Leser) oftmals einen Spiegel vor.
Erst zum Schluss muss das junge Mädchen erkennen, dass zum Leben auch Verantwortungsgefühl und Struktur gehört, denn Tulpe trifft eine Entscheidung.
Sie entlässt das Mädchen wieder in ihre Familie, um selbst den letzten Weg alleine zu gehen.

Fazit:

Ich persönlich habe einige Zeit gebraucht, mich mit den beiden Protagonistinnen anzufreunden, die wortwörtliche Rede von Lu hat es mir dabei nicht leichter gemacht.

Trotz einiger Längen ist dies ein interessantes Buch in einem außergewöhnlichen Stil, das einen nicht ganz kalt lässt und das nicht so einfach „en passant“ gelesen sein will.
Um es als wertvolle Literatur zu bezeichnen, fehlt diesem Werk eine kleine Kleinigkeit. Dennoch handelt es sich um ein beachtenswertes Debut des österreichischen Schriftstellers.

Wem könnte dieses Buch gefallen:

  • Leser, die eine außergewöhnliche Literatur in Form von Inhalt und Stil bevorzugen
  • Leser, die sich gerne in unterschiedliche Denkmuster einfühlen mögen.

Für wen wäre dieses Buch nicht geeignet:

  • Leser, die Romane mit sehr viel Tempo bevorzugen.

Bibliografisches:

kickboxen mit lu roman marchel buchcover

Bibliografisches zu dem Buch: „Kickboxen mit Lu“

 

  • Titel: Kickboxen mit Lu
  • Autor: Roman Marchel
  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Residenz; Auflage: 1 (23. August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3701715734
  • Preis Stand August 2017: 19,90 € (Gebundene Ausgabe), 7,99 € (Kindle)
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(Alle Angaben ohne Gewähr)

Diese Rezension wurde im Auftrag von BlogDeinBuch geschrieben.

Alle Fotos: Kickboxen mit Lu – Ein Roman von Roman Marchel [Rezension] ©sabienes.de
Text: Kickboxen mit Lu – Ein Roman von Roman Marchel [Rezension] ©sabienes.de

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ickboxen mit Lu - Ein Roman von Roman Marchel
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