Der Psychiater – Ein enttäuschender Thriller von John Katzenbach

25. Juli 2015 6 Von Sabiene
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Der Psychiater

Gerade 99 Tage ist der angehende Historiker Timothy Warner »Moth« nun trocken, als er seinen Onkel Ed in dessen Praxis tot am Schreibtisch auffindet. Ed war nicht nur Moths Mentor und wichtigste Bezugsperson, er begleitete ihn auch als Psychiater durch dessen Alkoholentzug. Die Polizei ist von einem Selbstmord überzeugt, aber Moth will dies nicht glauben und beginnt, auf eigene Faust die näheren Umstände zu untersuchen.
Nach einer Vergewaltigung und dem daraus folgenden Schwangerschaftsabruch ertrinkt die hübsche Studentin Andrea »Andy-Candy« in Selbstvorwürfen. Als sie unerwartet von ihrem Ex-Freund Moth um Hilfe gebeten wird, beginnt ihr Leben wieder einen Sinn zu haben.

Die ehrgeizige Staatsanwältin Susan Terry kennt Moth wegen ihrem Kokain-Problem aus der Drogen-Selbsthilfegruppe. Als sie sich entschließt, Moth und Andy-Candy zu helfen, riskiert sie nicht nur Kopf und Kragen, sondern auch ihre Reputation und Karriere.
Und im Hintergrund schmiedet ein „Student Nummer 5“ perfide Rachepläne.

John Katzenbach

Den amerikanischen Bestsellerautor John Katzenbach habe ich bereits in diesem Artikel kurz vorgestellt, desweiteren habe ich hier seine Bücher „Der Schattenmann“ und „Das Tribunal“ rezensiert.

Der Pschiater – Meine Meinung

Da ich John Katzenbach sehr schätze, habe ich mich auf das Buch „Der Psychiater“ sehr gefreut. Und bin dann doch enttäuscht gewesen.
Aber ich möchte einmal mit den positiven Aspekten dieses „Psychothrillers“ beginnen.
Das Leitmotiv von diesem Buch ist die Alkoholsucht von Moth. Ein suchtkranker Protagonist bringt natürlich in jede Story eine ganze Portion Verzweiflung und Unwägbarkeit, was der Spannung sehr zuträglich ist. Dann kommen die ersten Andeutungen eines Komplotts – oder war es wirklich eins? – was den Leser schon in die eine gewisse Richtung lenkt. Nett fand ich dann auch diese äußerst solidarische Selbsthilfegruppe und ihre Zusammensetzung.

Die Handlung hat mehrere Erzählebenen, was sie interessant, spannend und flüssig macht. Die Hauptebene besteht natürlich aus den Hauptpersonen Moth und Andy-Candy, man gewinnt in einer Passage Einblicke in die Suchtproblematik von Susan, eine andere spielt in der Vergangenheit und bildet quasi die Grundlage des folgenden Geschehens und dann lesen wir noch aus der Sicht des ominösen „Student Nummer 5“.

Student Nummer 5

Wir sind nun bei den negativen Aspekten dieses Buches angelangt.
Es ist ein Leichtes, einen Thriller zu konstruieren, in dem einem oder mehreren der Protagonisten schier unendliche Möglichkeiten an Talent, Geld und falschen Identitäten zur Verfügung stehen. Ein mit solchen Attributen ausgestatter Täter kann dann völlig unbehelligt von irgendwelchen Staatsorganen sein böses Werk fortführen. Und wird dann von einem Antihelden zur Strecke gebracht. Toll.

Andy-Candy

Katzenbach führt ein Heer von Personen auf, die nicht weiter erklärt werden. Es gibt Moth‘ Familie, weitere Psychiater, Eds Exfrau und Eds Liebhaber und halt Andy-Candy, eine junge Dame, die und deren Motive mir auf ewig ein Rätsel bleiben werden. Und warum stattet man eine erwachsene Frau und wichtige Protagonistin mit einem solchen blöden Namen aus?

Unerklärliche Erklärungen beim Psychiater

Mit der Zeit hatte ich den Eindruck, dass Katzenbach bei diesem Werk lediglich versucht hat, einen Berg von Notizen und Entwürfen in einem einigermaßen logischen Zusammenhang zu bringen. Das Buch wirkte auf mich irgendwie unfertig und kaum ausgearbeitet. Manche Zusammenhänge sind viel zu wenig erklärt, z.B. die näheren Umstände der Trennung von Moth und Andy-Candy, die böse Familie von Moth, die böse Familie von Student Nummer 5 und die früheren Untaten bei dessen Rachefeldzug. Lieber verliert sich Katzenbach in ein paar sinnlosen Episoden und Nabelschau-Grübeleien.

„Der Psychiater“ wird als Psychothriller verkauft. Doch meines Erachtens verdient ein Buch dieses Label nicht automatisch, nur weil der Täter ein psychopathischer Killer ist.
Aber letztendlich darf jeder gute Autor auch mal ein schwaches Werk abgeben und John Katzenbach halte ich weiterhin für einen der besten US-amerikanischen Thrillerautoren.

Belletristisches

  • Titel: Der Psychiater
  • Originaltitel: The Dead Student
  • Autor: John Katzenbach, Anke Kreutzer (Übersetzer), Eberhard Kreutzer (Übersetzer)
  • Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
  • Verlag: Droemer HC (1. April 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426281104
  • Preis: 19,99 € (Gebundene Ausgabe), 17,99 € (Kindle), 15,99 € (Hörbuch)
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Mit dieser Rezension beteilige ich mich an Daggis Buchchallenge 2015, Aufgabe 56: ein Buch mit mindestens 500 Seiten.

Foto: Der Psychiater – Ein enttäuschender Thriller von John Katzenbach ©sabienes.de
Text: Der Psychiater – Ein enttäuschender Thriller von John Katzenbach ©sabienes.de

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Der Psychiater - Ein enttäuschender Thriller von John Katzenbach
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