Schlagwort: biografien

Der Junge muss an die frische Luft – Der neue Hape Kerkeling (Filmtipp)

Recklinghausen in den 1970er Jahren. Der achtjährige Hans-Peter Kerkeling ist ein moppeliger, lieber Junge und ein kleiner Scherzbold.Sein Vater ist als Monteur ständig unterwegs, seine Mutter kommt mit den Anforderungen des Alltags zunehmend schlechter zurecht. Dennoch wächst er glücklich und behütet im Kreise seiner Großfamilie mit Omas, Opas, diversen Onkeln und Tanten auf. Nach dem Tod seiner Großmutter Änne verschlechtert sich der seelische Zustand der Mutter zusehends. Als sie nach einer Kieferhöhlen-Operation den Geruchs- und Geschmackssinn verliert, verlässt sie jegliche Lebensfreude. Nicht einmal Hans-Peter gelingt es mehr, sie mit seinen Späßen aufzuheitern. Gut, dass sein Opa ihn zu einer Wanderung in die Alpen mitnimmt. „Denn“ so erklärt er dem Vater, „der Junge muss an die frische Luft!“.Letztendlich begeht die Mutter Suizid. Doch der kleine Hape Kerkeling wird in dieser schweren Zeit von seiner Familie aufgefangen. Hape Kerkeling Hans-Peter „Hape“ Kerkeling, Jahrgang 1964, ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Komiker und gilt…

Von Sabiene 17. Januar 2019 2

Reise durch den letzten Akt von Isa Vermehren [Rezension]

Isa Vermehren wuchs in gutbürgerlichen, christlichen Verhältnissen in Norddeutschland auf. Als 1944 ihr Bruder Erich aus politischen Gründen zu den Alliierten wechselte, wird die ganze Familie in Sippenhaft genommen. Es folgte eine Odysee durch die Konzentrationslager Ravensbrück, Buchenwald und Dachau. Kurz vor Kriegsende wurde sie als Geißel nach Südtirol verbracht, wo sie im Mai 1945 befreit werden konnte. Isa Vermehren Isa Vermehren, Jahrgang 1918, zog 1933 mit ihrer Mutter nach Berlin und arbeitete dort als Schauspielerin und Kabarettistin (mit dem berühmten Werner Finck). Nach dem Krieg konvertierte sie zum Katholizismus und wurde Ordensschwester. Von 1969 bis 1983 leitete sie die Sophie-Barat-Schule in Hamburg. Von 1983 bis 1995 sprach sie regelmäßig in der ARD „Das Wort zum Sonntag“. In meiner Hamburger Zeit habe ich genau diese Schule besucht und durfte dort Isa Vermehren als Schulleiterin kennenlernen. Ich habe selten in meinem Leben einen so aufgeschlossenen, interessanten und warmherzigen Menschen kennengelernt, wie…

Von Sabiene 3. Februar 2015 10

Wie lautet der Titel für meine Biografie? Fragen über Fragen

Etwas, das man in seinem Leben getan haben sollte wäre, dass ich mir einen Titel für meine Biografie überlege. Das klingt leichter, als es eigentlich ist. Denn wie viele anderen Menschen auch neige ich dazu, mein eigenes Leben und das, was ich kann und erreicht habe in einem unangemessenen Licht zu sehen, welches zwischen den Extremen von Unter- und Überschätzung hin und her pendelt.Bei den Gedanken an meine eigene Biografie fällt mir der Schriftsteller Herbert Rosendorfer ein, der sich mit ähnlich gearteten Fragen herumschlagen musste. Allerdings auf einem Sockel. Was trägt der Mann von Welt auf dem Denkmal? Der aus Südtirol stammende Rosendorfer wird vom Gemeinderat seines Heimatorts gebeten, sich für ein Denkmal im Ort zur Verfügung zu stellen. Die Südtiroler haben außer dem Freiheitskämpfer Andreas Hofer nicht allzu viel Prominenz zu bieten und dieser stünde schließlich angetan mit Kniebundhose und Janker bereits an jeder besseren Ecke. Rosendorfer steht nun…

Von Sabiene 5. November 2013 4

Nicht für Geld und gute Worte – Kachelmann, Bohlen & Co

Es gibt Bücher, die würde ich nicht für Geld und gute Worte lesen und Fellmonsterchen stellt in dieser Woche in ihrem Projekt ’52 Bücher‘  genau ein solche Frage: Ein Buch, das Du auch mit 10 XXL-Caipis intus oder für 100 Euro nicht lesen würdest Um es mal vorweg zu nehmen: Nach 10 XXL-Caipis würde ich gar nichts mehr lesen, sondern höchstens noch einen Aperol Sprizz zur Beruhigung meines Magens trinken. Nicht für Geld und gute Worte Aber es gibt einiges, was ich auch für 100 Euro nicht mal in die Hand nehmen möchte. Ganz oben auf den Top Ten steht dabei ein Buch, dass ich hier namentlich nicht erwähnen möchte, weil ich weder Titel noch Autor als Keywords wünsche und nicht von einer gesammelten braunen Brut angefahren werden möchte. In diesem Zusammenhang empfehle ich den etwas derben, aber sehr intelligenten Kabarettisten Serdar Somuncu, welcher in seinem Programm dieses Werk zerpflügt.…

Von Sabiene 24. Oktober 2012 4

Tanguy: Elegie der Nacht – Ein Roman von Michel del Castillo

Dies ist die Geschichte des kleinen Jungen Tanguy, der verlassen von seinen Eltern in die Mühlen des spanischen Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkriegs gerät. Er wächst in verschiedenen Internierungslagern auf und wird in ein deutsches Konzentrationslager verschleppt. Nach dem Ende des Krieges kommt er in einem von Mönchen geleiteten Waisenhaus, in dem das Leben fast noch brutaler ist, als in den Lagern zuvor. Früh lernt er Todesangst, Gewalt, Demütigung und Hunger kennen. Der Autor Michel del Castillo Michel del Castillo, Jahrgang 1933, ist der Sohn eines Franzosen und einer spanischen Literatin aus Madrid. 1938 musste er mit seiner Mutter vor den Franco-Truppen nach Südfrankreich fliehen. Dort wird er 1942 von der Deutschen Wehrmacht von seiner Mutter getrennt und als Jude in das KZ Mauthausen verschleppt. Später kam er in ein streng geführtes spanisches Kinderheim. Dort herrscht ein noch schlimmeres Klima, als in den Lagern zuvor. Tanguy: Elegie der Nacht –…

Von Sabiene 10. August 2012 0

Eine ungewöhnliche Freundschaft – Zwei Leben im Schatten des Holocaust

Fritz Tubach wächst während des Nationalsozialismus in Kleinheubach, einem kleinen Dorf am bayerischen Untermain auf. Er erlebt dort Hitlerjugend, Judenverfolgung, die Härte des Krieges und leidet unter seinem faschistoiden Vater. Nach dem Krieg geht er nach Amerika, sucht und findet dort sein Glück, heiratet und gründet eine Familie. Bernat Rosner erlebt als jüdischer Bub den Holocaust in Ungarn und kann als Einziger seiner Familie dem Konzentrationslager entfliehen. Nach dem Krieg landet auch er schließlich in den USA. Dort heiratet er ausgerechnet die Schulfreundin von Tubachs‘ Fritze. Als die beiden Frauen sich nach Jahren zufällig wieder treffen, beschließen sie, dass sich ihre ‚European Husbands‘ mal kennenlernen sollten. Aus dieser Begegnung ist eine ungewöhnliche Freundschaft entstanden. Eine Freundschaft zwischen einem Ex-Hitlerbub und einem Juden, die sich nun zu friedlicheren und vernünftigeren Zeiten die Hand reichen können. Eine ungewöhnliche Freundschaft – Meine Meinung Jeder der beiden Autoren erzählt hier abwechselnd seine Geschichte und…

Von Sabiene 7. Juli 2012 8